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Altes und Neues

Als im Sommer 1991 der Umzug von Regierung und Parlament von Bonn in die neue Hauptstadt beschlossen wurde, hatte Berlin städtebaulich erhebliche Herausforderungen zu bewältigen. Nach 40 Jahren der Teilung war es Aufgabe der Entwicklungsmaßnahme nicht allein unterbrochene Verkehrswege, Rohrleitungen und Kanalsysteme wieder zu verbinden – es galt, einen Mangel zu beheben, den Dieter Hoffmann-Axthelm mit Blick auf die Zerstörung alter Stadtgrundrisse und Straßenführungen als eine Art offener Wunde beschrieben hat. Der Stadtplaner konstatierte, dass „die Berliner keine wirkliche Stadtmitte haben, sie haben nur zwei Krüppel von Stadt, und die Trennung bleibt erhalten“.

 

berlin014In dieser Situation hätte ein separates „Regierungsviertel“ nur zur weiteren Fragmentierung einer durch den Mauerbau scheinbar endgültig zerrissenen Stadtstruktur beigetragen. Die Entwicklungsmaßnahme nahm sich stattdessen die Integration vielfältiger urbaner Typologien zum Ziel: Bis 1945 nämlich hatte die Metropole auf engstem Raum Industrieareale und Geschäfts-Passagen, Arbeiterwohnbezirke und Villenviertel vereint, genau diesem historisch gewachsenen Ideal sollte Berlin sich wieder annähern. Das bedeutete keineswegs den pedantischen Nachbau von Replikaten, sondern ganz im Gegenteil einen kontinuierlichen Prozess der Abwägung, des Austarierens von modernem, den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts verpflichtetem Bauen mit der Wiederherstellung tradierter, nunmehr identitätsstiftender Elemente. Allmählich, Schritt für Schritt werden im Stadtbild Ergebnisse einer Planung sichtbar, die nicht zuletzt auf Freilegung historischer Strukturen beruht.

 

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So wurde bereits 1995 mit dem Rückbau des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, einem 145 m langen und 44 m hohen Querriegel, nicht nur der einstige Stadtraum wieder geöffnet und erfahrbar gemacht, sondern auch Platz geschaffen für die Wiederbebauung des gesamten Areals zwischen Werderschem Markt, Spreekanal und Unter den Linden.

Nur so war es möglich, den ursprünglichen Plänen von Peter Joseph Lenné folgend, zwischen dem rekonstruierten Gebäude der Kommandantur, der Friedrichwerderschen Kirche und der einstweilen nur mit einer Gebäudesimulation mit „Musterecke“ angedeuteten, aber für den Wiederaufbau vorgesehenen Bauakademie den 2008 eingeweihten Schinkelplatz gartendenkmalpflegerisch wieder herzustellen.

(Jochen Stöckmann)

 

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zitat
Das Regierungsviertel ist auch ein
Besuchermagnet, aber bei jedem Projekt ist immer wieder um die beste Lösung zu ringen. Das wird noch eine Weile so bleiben.

Regula Lüscher, 2011

zitat1

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Straßenbau im Entwicklungsgebiet